Wie die Überschrift ja schon irgendwie durchblicken lässt, wird dies mein letzter Wochenbericht aus England. So und bevor ich jetzt richtig ins abschweifen komme, was meine Gedanken grad schon wieder machen wollen, schreib ich euch lieber was passiert ist.
Also meine letzte Woche hier war angenehm ruhig. Da ich ja auch keine Sprachschule hatte konnte ich die Vormittage in aller Ruhe verbringen. Na gut das stimmt so nicht ganz, denn eigentlich war es nur der Dienstag, aber lest selbst!
Am Montag war wie immer Putztag, wofür dann meine ganze freie Zeit draufging. Am Mittwoch, nicht das ich das jetzt als schlimm empfunden hätt
, war ich noch einmal in London und hab noch mal „Mein perfekter Tag in London Teil 1“ veranstaltet. Der startet natürlich erst Nachmittag am besten am Bahnhof mit dem besten Mocha-Kaffee den’s gibt. Dann geht’s zum Leicster Square um Musicalkarten zu besorgen. (Bis hierhin haben das im übrigen alle perfekten Tage gleich. Ja und dann muss man sich leider entscheiden, weil alles an einem Tag nicht möglich ist.) Ich hatte mich für Charity-Shop (das sind bessere Secondhandshops, wenn man in die Gegenden der Reicheren fährt) und TopShop entschieden. Nicht um unbedingt was zu kaufen, aber „window-shopping“ wie es die Engländer so schön nennen, macht dort einfach riesen Spaß. OK zugegeben ich kam dann doch mit einem neuen Paar Gummistiefel raus, aber meine Alten waren auch nicht mehr zu retten…
Ja und eine neuerlicher Stadtrundgang kam leider auch hinzu. Die Tube-Menschen hatten aus unerfindlichen Gründen gestreikt und so ging in London im Prinzip nix mehr. Alle Menschen die sonst friedlich die U-Bahn benutzen, verstopften die Fußwege und Straßen, drängelten um die Plätze im Bus (ein Zeichen für die Dramatik der Lage war des fehlen einer Schlangenbildung, und wer schon mal hier war, weis wie Engländer da eigentlich total drauf stehen) oder kämpften als „wackelige sonst nie Fahrradfahrer“ mit den Bussen um die Vorfahrt. Naja und Klein-Anna mittendrin. Ich kenn ja zum Glück mittlerweile auch ein paar Schleichwege, aber auf den Hauptstraßen war es kaum auszuhalten.
Glück im Unglück hatte ich dann aber doch noch. Das Theater in dem Sister Act, wofür ich mir die Karte morgens gehohlt hatte, spielt , liegt direkt am Oxford Circus und so konnte ich von dort die Victoria-Line zum Bahnhof nehmen, als eine der wenigen Tube’s die überhaupt noch gefahren ist. Sister Act an sich war aber auch richtig toll und bis auf die nichtvorhandene Beinfreiheit bei den Sitzen auch sehr zu empfehlen.
Am Donnerstag hab ich von Karen dann schon ihr ganz persönliches Abschiedsgeschenk bekommen: Wir waren zusammen im Gherkin oder bzw für euch Deutsche
in „der Gurke“ Essen. So und für die, die bis jetzt noch nicht vor Neid geplatzt sind wird ich mal erklären warum ihr allen Grund dazu habt. Das Gherkin ist nicht einfach nur so ein Restaurant, es ist im Grunde eigentlich überhaupt keins. Die Gurke ist eigentlich ein Bürotower, mit einer Bar direkt unterm Dach. Klingt noch nicht so spannend??? Dann wird ich das wohl noch schmackhafter machen müssen… Die Gurke hat den Namen, weil es ein bisschen aussieht wie eine riesige verglaste Gurke, ja und dieses Gebäude ist sympathische 180m hoch. Zusammen mit den Panoramafenster (auch zum Himmel hin) und dem wunderbaren Wetter macht das dann eine HAMMER AUSSCIHT!!! Also wenn ihr jetzt dachtet die Aussicht aus dem London Eye, Tate Modern oder St.Pauls sei super, vergesst es! Es war einfach mal unbeschreiblich hammer! Und mit so einer Aussicht schmeckt das eh schon super leckere Essen gleich noch einmal so gut. Und jetzt kommt leider der Haken für euch „Otto-Normal-Touristen“: Ihr kommt da nicht rauf. Das Ding wird bewacht wie ein Flughafen, mit Scannern und allen, und man braucht jemanden wie Karen der im Besitz dieser holden Plastikkarte ist, welche dir selbst den Zugang und das mitbringen von Besuchern gestattet. Sogar ich hab für die Stunde eine extra Besucherkarte bekommen. Voll lustig!
Damit habe ich euch jetzt, glaube ich, das erste mal etwas empfohlen was ihr selbst bei eurem London Besuch nicht machen könnt.
Freitag kam dann Karens Freundin Nili vorbei, damit wir nochmal Fotos machen. Ich denk sie sind auch ganz gut geworden, aber ich werde mich nachher unbedingt noch einmal dransetzen müssen um sie fertig zu bearbeiten.
Samstag gab‘s dann „Der Perfekte Tag in London Teil 2“. Der Anfang ist ja wieder gleich, nur diesmal ging‘s nach Camden. Es ist und bleibt einfach mein absoluter Lieblingsstadtteil von London. So verrückt und bunt ist das alles ganz nach meinem Geschmack. Hier kann man dann nicht nur „window-shopping“ machen und sich durch die wunderbaren Secondhand Sachen wühlen sondern sich auch über den gesamten Erdball futtern. Es gibt Imbissbuden mit Chinesisch, Japanisch, Thailändisch, Indisch, Amerikanisch (selbstgemachte Riesenbruger), Mexikanisch, afrikanische Speialitäten, Italienisch, Polnisch, Französisch… und natürlich auch die besten Nutella-Crepes ganz Londons. Und wenn man dann wohlgenährt sein Streifzug fortsetzt einfach „Menschen gucken“. Glaubt mir so viel verschiedene Verrückte Leute friedlich auf einen Haufen findet ihr so schnell nicht wieder. Es ist einfach einmalig und jedes mal wunderbar!
Ja und um den Tag dann perfekt abzurunden bin ich abends in Chicago. Das ist nicht nur so musicalmäßig gemacht sondern wie eine Show aus den 20igern aufgezogen. Echt cool. Am schönsten fand ich die Stelle wo die Frauen im Gefängnis dann singen warum sie da sind. Naja und die Geschichte der einen ist dann „…Ich stand in der Küche und mein Mann kam nach Hause und er tobte vor Eifersucht. Ja und dann hab ich mich umgedreht und er ist mir 10mal ins Messer gelaufen!“ Ich musste soooo lachen…
Den Sonntag hab ich dann im Großen und Ganzen mit Nichtstun verbracht. Das ganze wurde dann nur unterbrochen als ich Karen für ihre Sommerpartyvorbereitungen geholfen hab. Die haben meine Gastellis nämlich am Sonntag geschmissen. Freunde und Kollegen waren da und für die Kinder gab’s extra eine Hüpfburg im Garten. Die konnte ich dann mit meinen Kids schon Vormittags einweihen, was auch echt cool war, aber nach 5min haben dann mein verstauchter Knöchel, meine Knie und mein Rücken gleichzeitig „AUFHÖREN!“ geschrien. Schade eigentlich. So schnell komm ich wahrscheinlich nicht mehr an meine (fast) private Hüpfburg.
Ja und ansonsten hat die Woche wie jede andere auch mit putzen angefangen. Der Gedanke das man jetzt aber nicht mehr dauernd 3 Bäder und ein viel zu große Haus putzen muss war dabei sehr hilfreich.
Heute wiederrum hab ich einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt: Mein Koffer und Handgepäck ist gepackt. 24h vor Abflug, was ich glaube das letzte mal unter Mamas Druck vor Ewigkeiten geschafft hatte….
Derweil sitz ich grad hier in meinem Zimmer und kann noch gar nicht richtig begreifen das alles morgen vorbei sein soll. Das ist wie vor 10Monaten, als ich hier herflog und mir nicht vorstellen konnte getrennt von euch zu leben.
Desewegen möchte ich das hier auch gleich einmal nutzen um einen GANZ GROSSEN FETTEN DANK AN EUCH ALLE auszusprechen. Alle die Briefe, Emails, Chats, Telefonate und Besuche, die Ratschläge, das Trösten wenn es mal nicht so lief, Heimatpakete, SchülerVZ und StudiVZ Nachrichten, die Kommentare und Gästebucheinträge auf meiner Seite…all das hat mir die Zeit noch viel angenehmer werden und mich manchmal glatt vergessen lassen, dass sich auf der Insel leb und gar nicht mal schnell rüber kommen kann. DANKE!
Die Seite werde ich vorläufig erst einmal online lassen, aber nichts Neues mehr hinzufügen. Vielleicht findet sie ja mal wieder Verwendung.
Ansonsten würd ich mal sagen, hör ich doch einfach mal in guter alter Schreibtradition auf. Diesmal mit den Erkenntnissen meiner ganzen Zeit hier:
- Kindererziehung ist nicht immer Zucker schlecken.
- Elstern sind ziemlich schlaue Vögel.
- Ich kann noch so viel nach Hause schicken und trotzdem bleibt immer noch zu viel da, was meinen Koffer fast zum platzen bringt.
- Modetechnisch sind die Briten einfach besser ausgestattet.
- Es gibt viele Möglichkeiten morgens geweckt zu werden. Eine der grausamsten ist früh um 5Uhr mit einer Horde hungriger Elsterkinder vor deinem Fenster. Wenn’s wenigstens gut klingen würd….
- Weiße Gardinen sind nicht mehr als schöner Sichtschutz. Zum Lichtabhalten vollkommen ungeeignet.
- Man versteht was die Eltern in der Erziehung so gemacht haben erst, wenn man’s plötzlich genauso macht.
- Engländer flippen bei Hagel (oder naja nennen wir es mal großen Graupel) genauso aus wie bei Schnee.
- Alcohol improves my foreign language. (Alkohol verbessert meine Fremdsprache.) Was man nach einem Gals Wein plötzlich für Vokabeln kann….
- Für eine Scheibe deutsches Brot tut man nach einer gewissen Zeit fast alles. Dasselbe gilt für Fleisch in einem Vegetarier Haushalt.
- Ganz wichtig: Nie „Please“, „Sorry“ und „Excuse me“ vergessen!
- Engländer selbst sind zumeist lausig in Fremdsprachen.
- Baked Beans, Cheerios und Bulmers gehören nach Deutschland importiert!
- Die Briten halten nicht viel von Verkehrsregeln, aber die Autofahrer sind so höflich und zuvorkommend das sie auch ohne ersichtliche Regeln ohne Schaden durch den Verkehr kommen.
- Die Briten stehen total auf Tee im Teebeutel.
- Schminken wird hier total überbewertet.
- Ich habe bis heute nicht einmal unsere Nachbarn gesehen, außer die Frau die sich über das zu viele Klavier spielen von mir aufgeregt hat und der Nachbarin in deren Wohnzimmer ich von meinem Zimmer aus schau. Eigentlich echt traurig oder?
- Die Cornershops (Eckläden, ganz klein und man bekommt das was man bei großen Einkauf vergessen hat, wie Milch oder Cornflakes)sind eine ganz feine Erfindung.
- Briten stehen total darauf ihre Kinder anzuleinen. FURCHTBAR!!!
- Die wichtigsten Utensilien wenn man GB besucht: Gummistiefel und Regencape.
- Orientiert euch nie an den Klamotten der Briten. Die eine Mutti kam immer mit Crocks, Jeans, Pulli und Weste, ob das nun -5°C waren oder +20°C. Ganz egal!
- Nach diesen 10 Monaten kann ich das blau der Schuluniform nicht mehr sehen.
- Engländer haben Mut zum Hut!
- Es gibt hier viel mehr und verschiedene Vögel.
- Auf der Insel ist Tollwut ausgerottet.
- Ich freu mich darauf im dunkel und ohne Kindergeschrei aufzuwachen.
- Mit 150 einzelnen Teebeuteln in der Tüte kommt man sich eher vor wie ein Drogenkurier.
- Man mag‘s fast nicht glauben wie viele Internetseiten es mit deutschen Fernsehen und Filmen gibt und dazu noch kostenlos. Eine sehr feine Sache!
- „Der perfekte Tag in London Teil3“ hat auf jeden Fall die Spitalfieldsmarket im Programm.
- Man kann seinen Wocheneinkauf im Internet machen und sich dann alles nach Hause liefern lassen. Wenn man Glück hat kostet es einen dann nicht mal mehr als 1Pfund.
- Musik ist ein sehr guter Heimwehkiller.
- Wenn man irgendwo öffentlich auf Deutsch telefoniert oder sich unterhält sollte man die Verwendung der Zahl 6 probieren einzuschränken oder auf „5+1“ umwandeln. Die Briten schauen sonst immer furchtbar komisch.
- Es gibt nix schlimmeres als öffentlich zu fluchen.
- Ich werde die Badewanne die man sogar bis obenhin mit richtig heißen Wasser vollbekommt
ziemlich vermissen.
- Von den besten Dingen kann man meist keine Fotos machen. Man bekommt es einfach nicht so toll ins Bild wie es eigentlich ist.
- Wenn man in der richtigen Stimmung ist fallen einen x Dinge ein die man so „Erkenntnissen“ kann…
Ich glaub das ist ein würdiger Abschluss, oder???
Liebste Grüße
Eure Qli